Der Baskets-Trainer Peter Kortmann im Interview mit der Offenbach Post über eine „komplizierte Saison“ und die Perspektive am Standort Langen

Herr Kortmann, wenn Sie die Saison mit einer Schlagzeile zusammenfassen müssten. Wie sähe diese aus?
Das ist schwierig und nicht in einem Satz zu formulieren. Dafür bräuchte ich etwas Zeit. Im Ernst: Es war eine sehr komplizierte Saison.

Dabei schien doch mit der Rückkehr eines früheren Erstliga-Trios und weiteren namhaften Verstärkungen alles im Lot zu sein…
Das Stimmt. Ich hatte das Gefühl, dass wir ein richtig gutes Team haben. Wir sind mit 14 Spielerinnen in die Saison gestartet. Um die erfahrenen Rückkehrerinnen Nelli Dietrich, Nadine Ripper und Francis Peiczynski sowie Elisabeth Dzirma sollten die Talente aufgebaut werden und mehr Einsatzzeit bekommen. Doch dann ist die Hinserie richtig in die Hose gegangen.

Welche Erklärung haben Sie dafür?
So viele kuriose Verletzungen habe ich in einer Saison noch nicht erlebt. Und ich bin schon 23 Jahre im Geschäft. Ein Beispiel: Alicia Köhler hat sich bei einem Vorbereitungsturnier einen Sehnenanriss unten am Fuß zugezogen. So etwas gibt es selten. Wir vermuten, dass es von den Einlagen ihrer neuen Schuhe kam. Dazu kamen noch eine ganze Reihe weiterer Ausfälle.

Waren die Abgänge von Francis Pieczynski und Elisabeth Dzirma in der Winterpause in dieser Saison nicht besonders bitter?
Wir hatten Francis als große Spielerin fest eingeplant. Aber bei ihr hat es von der beruflichen Belastung nicht gepasst. Sie war vielleicht zweimal im Monat im Training und wollte sich in den Innendienst der Polizei versetzen lassen Das hat leider nicht geklappt. Elisabeth hat sich entschlossen, den Fokus nur aufs Studium zu legen. Das kann alles passieren, war aber extrem bitter.

Dennoch lief es in der Rückrunde wesentlich besser. Woran lag das?
Lyndi Laborn hat uns sehr weitergeholfen. Leider mussten wir drei Spiele warten, bis endlich ihre Aufenthaltsgenehmigung vorlag. Außerdem sind einige Spielerinnen von Verletzungen zurückgekehrt oder haben – wie Pia Dietrich – auf die Zähne gebissen. Das Team hat besser zusammengefunden. Und siehe da: Wir haben die Spiele gewonnen.

Die Play-Offs wurden aber knapp verpasst. Ärgerlich?
Wir haben in der Rückrunde acht von zehn Spielen gewonnen und als einziges Team den Spitzenreiter Heidelberg besiegt. Ich sehe uns schon unter den besten Vier der Liga. Ein, zwei Siege mehr wären sich drin gewesen. Wenn ich da alleine an die beiden knappen Niederlagen gegen Bad Homburg denke. Unterm Strich war es aber eine Saison, die anders gelaufen ist als geplant.

So oder so war ein Aufstieg kein Thema. Warum hat der Klub keinen Lizenzantrag für die 1. Liga gestellt?
Wir haben nicht das Geld. In der 2. Liga liegt das Durchschnittsbudget bei 40.000 bis 50.000 Euro, in der 1. Liga bei 200.000 Euro; die Top-Teams haben sogar 500.000 Euro zu Verfügung. Zumindest die 100.000-Euro-Grenze müssten wir also knacken, um mitzuhalten. Das klappt nicht. Langen ist und bleibt nun mal ein Zweitligaverein und war schon immer ein Ausbildungsverein. Das sieht man auch an der Organisationsstruktur: Vieles läuft über die Eltern. Die 1. Liga wäre da utopisch.

Von 2009 bis 2015 waren die Baskets erstklassig, holten 2013 den Vizetitel. Warum ist das heute so abwegig?
Das war eine Ausnahmesituation mit einem außergewöhnlichen Jahrgang. Spielerinnen wie Steffi Wagner oder Svenja Greunke. Das kommt alle Jahrzehnte mal vor. Unsere jungen Spielerinnen haben noch nicht das Niveau für die 1. Liga und die älteren packen es aus beruflichen Gründen nicht mehr. Wir bleiben ein Zweitligaverein.

Reicht Ihnen die Perspektive als ambitionierter Trainer?
Mir war klar, dass ich hier ein Aufbauprojekt vorfinde und bei null anfange. Ich arbeite ja auch noch viel im Jugendbereich, kann also damit leben. Auf Dauer muss man natürlich schauen: Geht da mehr oder nicht? Sonst bricht nach zehn, zwölf Jahren in der 2. Liga alles weg. Da bin ich Realist.

Erschweren diese Bedingungen die Verhandlungen mit potenziellen Zugängen?
Jede, die zu uns kommt, weiß um die Möglichkeiten. Da erzähle ich keine Märchen. Wir schauen auch, wer in Frankfurt studiert und einen neuen Klub sucht. Da gibt die eine oder andere Kandidatin.

Wie wird der Kader für die neue Saison aussehen?
Alle Spielerinnen haben ihre Zusage gegeben, zumindest aber genickt. Unser Budget ist ausgereizt. Anja Stupar wird sicher bleiben, auch Lyndi Laborn kann sich das gut vorstellen. Wenn wir uns verstärken sollten, dann sicher auf der großen Position. Hinzu werden noch zwei junge Spielerinnen kommen.

Was trauen Sie den Talenten in der neuen Saison zu?
Monika Wotzlaw hat den Sprung in die 2. Liga bereits geschafft. Jetzt wollen wir schauen, dass andere nachziehen. Jule Seegräber hat zuletzt Regionalliga in Hofheim gespielt und soll jetzt voll in unseren Kader integriert werden. Jasmin Weyell ist Quereinsteigerin und hat in ihrer ersten Saison gleich einen Bombenjob gemacht. Miriam Lincoln war lange verletzt und kann es, wenn sie gesund bleibt, auch packen. Ich denke, wir sind so aufgestellt, dass wir einen Schritt nach vorne machen werden.

Das Interview führte Jörn Polzin; Quelle: Offenbach Post vom Freitag, 24. März 2017